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Les petites fugues

Schweiz, 1979, 130’
Regie: Yves Yersin
mit Michel Robin, Fabienne Barraud, Laurent Sandoz, Mista Préchac


Wie ein misstrauischer alter Bär hockt Pipe auf seinem nagelneuen Moped. Und fährt auch schon in den Graben. Dass es Kurven gibt, hat ihm niemand gesagt. Aber Pipe gewinnt den Kampf mit seinem widerspenstigen „vélo“. Etwas später sieht man ihn, eine eigenartige Gestalt mit flachem Hut und im dunklen Feiertagsanzug, leicht verkrampft noch, aber schon sichtlich stolz auf seine neuen Künste, durch eine Waldschneise fahren. In diesem Augenblick begibt sich etwas Wundersames: Pipe, sein Moped und die Kamera heben ab vom Erdboden, fliegen über den Wald hinweg geradewegs in eine weite, sonnige Landschaft.
Das kommt fast wie ein Schock, denn begonnen hat der Film ganz anders: als ruhige, beinahe pedantisch realistische Beschreibung des alltäglichen Lebens auf einem Bauernhof im Kanton Waadt. Seit vierzig Jahren arbeitet der alte Pipe dort als Knecht, und nun hat er sich heimlich das allseits bestaunte Moped gekauft. Wäre dies ein amerikanischer Film, könnte man sich leicht ausrechnen, was danach passiert: Rüstiger Rentner wandelt sich zum späten „Easy Rider“ und braust einem goldenen Lebensabend entgegen.
Solche Filme gibt es, doch der des einstigen Dokumentarfilmers Yves Yersin ist viel unspektakulärer, wahrhaftiger. Kein „Grauer Panther“ schnuppert den Duft von Freiheit und Abenteuer, sondern ein ebenso sanftmütig wie entschlossen renitenter alter Mann entdeckt allmählich sich selber und seine Umgebung.
„Les petites fugues“ wurde zu einem der erfolgreichsten Schweizer Filme. Mit verantwortlich für diesen Höhenflug war der damals erst knapp 50-jährige französische Schauspieler Michel Robin in der „Greisenrolle“ des Pipe, der dafür in Locarno 1979 als Bester Schauspieler ausgezeichnet wurde.