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Viaggio a Misterbianco


Paolo Poloni, Schweiz, 2003, 90’
Musik: Gianni Coscia

Der Regisseur ist persönlich anwesend
und beantwortet Fragen zum Film.


«Ich bin am Brenner, an der Grenze. Hier beginnt meine Reise durch Italien. Am Zoll zeige ich meinen italienischen Pass. Denn, ich bin Italiener. Aber ich habe nie in Italien gelebt, Es ist der erste November, Allerheiligen, Ognissanti ....»

So beginnt das filmische Tagebuch einer Winterreise durch ein anderes Italien, gefilmt von Paolo Poloni, der Italien nicht gut kennt, wie Millionen andere von der Emigration verstreute Italiener. Zwischen Entdeckung und Reflexion, zwischen Heiterkeit und Melancholie, zwischen Brenner und Sizilien stellt er sich die Frage: Kennen wir Italien im Winter? Und: Wo ist Misterbianco?
Anders als die Protagonisten von Alexander Seilers «Il vento die settembre» hat der 1954 in Luzern geborene Paolo Poloni keine Verwandten mehr in Italien, mit denen er Kontakt hat. Obwohl er den italienischen Pass besitzt, fühlt er sich als Auslanditaliener. «Ich musste diese Reise machen», sagt er, «um mit diesem Land ins Reine zu kommen.» Er umging bekannte Kulturzentren wie Florenz oder Rom, wählte für seine vier Monate dauernde Fahrt den Winter und überliess sich und die ergebenden Gespräche mit den Einheimischen dem Zufall.
Auf der im Jahr 2000 mit der Bahn, im Bus, per Autostopp und auf dem Beifahrersitz von Fernfahrern unternommenen Fahrt kam eine Unmenge von Filmmaterial zusammen. Nach einer Phase der schöpferischen Ruhe begann er mit dem Schneiden, dem Auswählen und Strukturieren. Dabei entstand «eine Nacherzählung, als wäre der Film eine Fiktion». Aber er ist es nicht.
Der Film gliedert sich in sieben Abschnitte, denen man das Zufällige des ursprünglichen Materials noch anmerkt: Im Veneto begegnet Poloni etwa einem Bauern, der ihm von seinem faschistischen Vater erzählt. In Mailand stösst er auf eine von Afrikanern besetzte Kirche. Während diese auf ihre Wohnungsnot aufmerksam machen, ergehen sich die Einheimischen in Diskussionen für und gegen die Besetzer. In Pennabilli in der Toscana begleitet Poloni einen Briefträger, der sich in der Ortschaft nicht auszukennen scheint. In Anzio mischt er sich unter die Fischer eines Kutters, und in Neapel installiert er sich auf der Piazza Dante, wo er mit einem Ladenbesitzer und mit Arbeitslosen ins Gespräch kommt. In Calvello in der Basilicata wird ein Schwein geschlachtet, und eine Nonne unterrichtet desinteressiert dreinschauende Kinder. Poloni erreicht Sizilien mitten im Winter. Dort lernt er einen ungewöhlichen Bürgermeister kennen, der den Bewohnern ein Vorbild sein möchte und höchstpersönlich die Strassen kehrt.
Fernab der schreihalsigen Politik Berlusconis, die er aber auf subtile Art thematisiert, und ohne die gängigen Klischees, die man sich von Italien macht, hat sich Poloni in einer Art «Road movie» durch ein unbekanntes Italien treiben lassen.